Die Deutschen kommen statistisch auf einen Verbrauch von etwa acht Kilogramm Kaffeebohnen pro Person. Daraus brühen sie sich jeder etwa 160 Liter Kaffee im Jahr – sogar mehr, als in eine Badewanne passt. Dabei beschäftigen wir uns ständig mit der Zubereitung, weil jeder seinen Lieblingskaffee hat und außerdem immer wieder Lust auf eine neue Variation. Wenige interessieren sich dagegen für die Herkunft der Bohnen – und die Geschichte des Kaffees findet eigentlich recht geringes Interesse. Dabei ist die Historie unseres Lieblingsgetränks besonders spannend.

Die Entdeckung des Kaffees

Es gibt Nachweise aus dem 9. Jahrhundert, wonach der Kaffee seine Ursprünge in der Kaffa im Südwesten Äthiopiens hat. Mit dem Sklavenhandel sollen die anregenden grünen Bohnen im 14. Jahrhundert nach Arabien gebracht worden sein. Geröstet und getrunken wurde der Kaffee dann erst im 15. Jahrhundert.

Zudem ranken sich einige Legenden um die Entdeckung des Kaffees. Eine wird dem muslimischen Propheten Mohamed zugeschrieben. Irgendwann im Verlauf des sechsten Jahrhunderts soll ihn der Erzengel Gabriel mit Kaffee von einer Krankheit kuriert haben – danach erfreute sich der Prophet einer guten Gesundheit und größerer Kraft denn je.

Drei Jahrhunderte später beobachtete ein Ziegenhirt eine übergroße Agilität der ihm anvertrauten Tiere. Weitere Nachforschungen zeigten ihm, dass die Zicklein gierig die Samenkerne der Kaffeebaumfrüchte knabberten, die als Auslöser der auffälligen Vitalität infrage kamen. Gewissheit erhoffte sich besagter Hirte durch die Befragung eines Schamanen, der allerdings vom bitteren Geschmack der Kaffeekirschen entsetzt war und das gesamte Pflückgut zunächst einfach ins Feuer warf. Gleich setzte der einsetzende Röstvorgang den bekannten, köstlichen Duft frei. Der Hirte und der weise Mann kochten sich dann die gerösteten Bohnen in Wasser auf und genossen den ersten Kaffee.

Der „Wein des Islams“

Schnell verbreitete sich der Ruf der ebenso anregenden wie belebenden Köstlichkeit, der „Wein des Islams“ zu sein. Weil Muslime bekanntlich keinen Alkohol trinken, wurde Kaffee zur beliebten Abwechslung zum Tee. In dieser Zeit entwickelte sich auch aus dem arabischen Wort Qahwah für „der Anregende“ die heutige Bezeichnung Kaffee

Karawanen verbreiteten den Kaffee über die arabischen Grenzen hinaus. Über Medina und Mekka gelangte er dann nach Kairo. Die Ägypter intensivierten den Kaffeehandel, daneben entwickelte sich der Jemen zu einem besonders wichtigen Hotspot des Kaffeehandels, wo man drastisch um die Erhaltung des Monopols bemüht war: Um die Keimfähigkeit der Bohnen auszuschließen, wurden sie vor dem Export mit heißem Wasser überbrüht. So war es interessierten Handelspartnern unmöglich, Kaffee selbst anzubauen.

Wie der Kaffee nach Europa kam

Mit Beginn des 17. Jahrhunderts brachten die Venezianer den Kaffee nach Europa, wo er schnell die Rolle des Lieblingsgetränks der urbanen Oberschicht bekam. Ob in Paris, London oder Wien: Kaffee wurde vorrangig in den neu eingerichteten Kaffeehäusern zum anregenden Begleiter lebhafter Gespräche – später etablierte sich der Kaffee in allen gesellschaftlichen Schichten als anregendes Lieblingsgetränk. Am Ende des 17. Jahrhunderts waren in Deutschland überall Kaffeehäuser entstanden. Johann Sebastian Bach huldigte dem Kaffee in seiner 1734 entstandenen Kaffeekantate und skizzierte humorvoll-ironisch das bürgerliche Leben der Leipziger. Die Uraufführung der Kantate soll der Meister persönlich im Leipziger Café Zimmermann geleitet haben. Der wohl bekannteste der zehn Sätze ist die von einer Traversflöte begleitete Sopran-Arie „Ei! Wie schmeckt der Coffee süße“.