Kapuziner, Einspänner, kleiner und großer Brauner, Melange – etwas sonderbar klingen all diese Namen. Was sich dahinter verbirgt? Wir lösen auf: österreichische Kaffeespezialitäten – und Paradebeispiele einer bemerkenswerten Kultur. Nicht umsonst zählen die Wiener Kaffeehäuser seit 2011 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Das Wiener Kaffeehaus sei ein Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“, hieß es in der Begründung. Schon 1865 wurde eines der ersten Kaffeehäuser in Wien eröffnet. Dabei ging und geht es hier nicht um reinen Genuss: Die Kaffeehäuser waren beliebte Treffpunkte für Künstler, Literaten und Querdenken, die hier hitzige Diskussionen führten. Heute geht es in den Kaffeehäusern etwas ruhiger zu. Doch die alte Regel, nach der man stundenlang bei einer einzigen Tasse Kaffee ohne Konsumzwang sitzen bleiben, man träumen und die Zeitung lesen kann, gilt glücklicherweise heute noch.

Aber zurück zum Kaffee. Denn wer einen bestellt, muss erst mal viele Fragen beantworten: mit Schlagobers – also Schlagsahne – oder ohne, mit Milch oder nicht? Und die Entscheidung, welche Spezialität es überhaupt sein darf, fällt ohnehin nicht leicht. Auch weil man als Fremder gar nicht weiß, was man denn nun genau bekommt, wenn man einen Kapuziner, Einspänner oder Melange bestellt. Hier unsere Übersetzungshilfe für euch, damit ihr für euren Österreich-Urlaub gut gerüstet seid:

  • Almkaffee/Gebirgskaffee – Kaffee mit Schlagobers, Eidotter und Obstschnaps
  • Biedermeier – Kaffee mit Schlagobers und Marillenlikör
  • kleiner Brauner – einfacher Mokka mit Milch oder Schlagobers in kleiner Schale.
  • großer Brauner – doppelter Mokka mit Kaffeeobers in großer Schale
  • Einspänner – kleiner Mokka im Glas mit viel Schlagobers
  • Fiaker – großer Mokka im Glas mit viel Zucker und Sliwowitz oder Rum (Wien)
  • Franziskaner – helle Melange mit Schlagobers
  • Gespritzter – schwarzer Kaffee mit Weinbrand, Cognac oder Rum
  • Häferlkaffee – Kaffee im Häferl (und nicht in einer Tasse) mit meist hohem Milchanteil, Filterkaffee
  • Intermezzo – kleiner Mokka, mit heißer Schokolade und Creme de Cacao verrührt, darauf Schlagobers mit Praline
  • Kaffee verkehrt – Kaffee mit zwei Dritteln Milch und einem Drittel Kaffee (Wien)
  • Kapuziner – schwarzer Kaffee mit einem Schuss flüssigen Obers
  • Katerkaffee – starker Mokka, gesüßt mit an Zitronenschale geriebenen Zuckerstücken
  • Mazagran – kalter gesüßter Kaffee mit Eisstückchen und Weinbrand/Cognac oder Maraschino
  • Melange – halb Kaffee, halb Milch
  • Kaisermelange – Mokka mit Eidotter, auch mit Honig und Weinbrand/Cognac (Wien)
  • Wiener Melange – Melange, mit geschäumter Milch im Glas serviert (Wien)
  • Maria Theresia – Mokka mit einem Schuss Orangenlikör
  • Mokka gespritzt – Mokka mit Weinbrand, Cognac und Rum
  • Othello – heiße Schokolade mit Espresso
  • Piccolo – kleiner Schwarzer mit Schlagobers
  • großer Schwarzer – doppelter Mokka in großer Schale
  • kleiner Schwarzer – einfacher Mokka in kleiner Schale
  • überstürzter Neumann – Schlagobers in einer sonst leeren Schale wird am Tisch des Gastes mit heißem Kaffee „überstürzt“.
  • Verlängerter – ein kleiner Schwarzer wird mit der gleichen Menge an heißem Wasser verlängert
  • Weißer mit Haut – heller Milchkaffee, der mit heißer, nicht verquirlter Milch serviert wird, worauf sich eine Haut bildet (Wien)
  • Zarenkaffee – starker Espresso auf den eine Haube aus gezuckertem gesprudeltem Eidotter aufgesetzt wird

Ihr seht: Ob stark oder mild, süß oder markant – hier findet jeder seinen Lieblingskaffee. Wenn ihr also Urlaub in Österreich macht, gönnt euch einen Aufenthalt im Kaffeehaus eurer Wahl und lasst euch einen echten Kaffeehausklassiker servieren. Ihr werdet es nicht bereuen!